furt samma
 

Kanada 2003.

19.7.2003 - 8.8.2003

Es war schon immer ein Traum im Cabrio durch Nordamerika zu fahren. Jetzt eben Kanada. Ute gewinnt einen "Company Award", eine Reise, wir setzen den Traum in Kanada um. Vier Wochen lang, während in Deutschland eine brütende Hitze herrscht, im sommerlich warmen Osten des Landes. Eine absurde Angelegenheit.

Landung in Toronto im Juli 2003 und  machen uns zum Autovermieter auf, nicht wissend, was für eine Fahrzeug bereit steht. Wenn es gut geht, ein Sebring. Der wäre groß genug für die Koffer. Der Typ von der Vermietung zeigt auf einen Parkplatz. Here we go - nicht zu fassen.

5 Liter Hubraum, 8 Zylinder, 450 PS - Tempolimit 100 km/h und strengste Speedlimit Überwachung. Was für ein Spaß.




Erst mal ab nach Kingston, einem verträumten Touristenort am Ontariosee ins Hochelaga Inn. Ein Bed-and-Breakfast mitten in einem Wohngebiet. Auch ziemlich verträumt. Beim Kaffeetrinken auf der Veranda ist allmorgendlich ein für unsere Verhätlnisse unglaubliches Schauspiel zu beobachten. Die Post kommt, der "Postman" klopft an die Haustür gegenüber, ruft fröhliich den Namen der Bewohner ... und geht ins Haus. Und das macht er Tür für Tür. Die Menschen haben ein derartiges Vertrauen - wohl auch gerechtfertigt, daß die Haustüren nicht abgesperrt sind, Autos unverschlossen sind und nichts passiert. Umso erstaunlicher, da die Waffendichte in Kanada zu der Zeit noch höher ist, als in den USA. Hier gefällt es uns. Das macht  die schlimme Situation im Geschäft etwas erträglicher - massives Vorgehen gegen mich aus der oberen Etage - eine Bauernopfer sollte gefunden werden. Dafür eigne ich mich aber nicht!


Sind überhaupt lustige Menschen hier. Ein hörbar aus der jugoslawischen Ecke kommender Typ mit grausiger Aussprache quatscht uns auf der Straße an und meint nach ein paar Worten: "Oh, what a strange accent you have. Where are you from?"

Von Kingston aus eine herrliche Tagestour nach Smiths Falls in eine der Schokoladenfabriken von Hersheys. Entspannende Überlandfahrt entlang an Seen und Flüssen, Kanälen, Wäldern und immer wieder, was im Osten Kanadas am meisten auffällt: Tiefenentspannte Menschen.


Ein anderer Ausflug führt uns zu einem Badestrand an einem der vielen Seen - mitten im Off und nur über sandige Pisten zu erreichen. Mitten in diesem Nichts geniessen die Kanadier ihren kurzen Sommer.












Nach ein paar sonnigen Einstiegstagen geht's ab zu unserem Hauptevent - nach Montreal. Von den drei Hauptevents im Sommer in der Stadt, Jazzfestival, Formel 1, Comedy Festival,  haben wir uns letzteres ausgesucht. Eine Woche findet es in französisich und eine Woche in englisch statt. Mein Französisch war noch nie sonderlich ... vorhanden.




Montreal ist der Hammer. Etwa so groß wie München, absolut sicher und im Sommer ene einzige Partymeile. Die Menschen sind unfassbar gut drauf. Während des Festivals sind die Hauptstrassen gesperrt, die Menschen Tag und Nacht unterwegs.  Nach einer Veranstaltung sind wir nachts um 1:00 mit der U-Bahn unterwegs. Menschen feiern immer noch, es fühlt sich absolut sicher an.


An einem anderen Abend lesen wir, dass es am Sankt-Lorenz-Strom gegen Mitternacht ein Feuerwerk geben soll. Na klar besuchen wir es und staunen nicht schlecht. Das Feuerwerk ist großartig. Familien mit kleinen Kindern, Picknick und ein großes Fest. Am nächsten Tag erfahren wir, dass ca. 1 Mio.Menschen vor Ort waren. Friedlich, ohne Streß.


Weiter geht's am Sankt-Lorenz-Strom in das geschichtsträchtige Quebec. Hier versagt selbst Utes Französisch. Die Menschen sprechen hier ein uraltes Französisch, vielleicht vergleichbar mit Altgriechisch. Aber Englisch ist auch hier wieder die Wunderwaffe. Damit kommt man überall durch.

Eine meiner Liebelingsbeschäftigungen bei Reisen in Städten ist dem intensiven Studium der Speisekarten gewidmet. Bei einer meiner  "Studien" - es wird die kanadische Spezialität Ente mit Orangen angeboten, spricht mich von hinten ein Mann an - auf Deutsch. Österreicher, der vor vielen Jahren nach Kanada ausgewandert ist und auch den Sommer genießt. Er hatte vor seinem Haus in der Nähe noch im April meterhohen Schnee. Es würde mich heute - Frühling 2020 - interessieren, ob in der Gegend die Klimaerwärmung zugeschlagen hat.


Die Fahrt führt 8 Stunden weiter nach Tadoussac, für Kanada noch im Süden, für uns jetzt schon verdammt weit oben und im Osten. Das Wetter nicht sehr erbaulich. Wir sind auf Walbeobachtung aus. Die finden wir auch, neben Unmengen von Jakobsmuscheln zu geringsten Kosten und der Filmkulisse des Hotel New Hampshire.


Die 1.100 Kilometer zurück auf breiten Strassen, einem Bolliden und ner Menge Kraft unter der Haube bei konstant max. 120 km/h - ganz schön anstrengend. Wir landen in Niagara, muss auch für zwei Tage sein, um einen der größten Wasserfälle zu betrachten - mehr ist hier nicht zu sehen. Danach en paar Kilometer weiter nach Niagara on the Lakes in ein Bed-and-Breakfast. Herrliche Tage in der Kleinstadt, wo wir staunend die hohe Qualität der kanadischen Weine erfahren. Der Wein wir nahezu vollständig im Land verkauft, Exporte zu der Zeit (2003) eher nicht. Mit dem Fahrrad zu einem Weingut in der Nähe, herrliches Mittagessen. Wanderungen am See und der Besuch des George-Bernhard-Shaw Festivals absolute Highlights.



Nach vier herrlichen Wochen leider zurück nach Europa.