Ja, die Aufnahme stammt vom letzten November, ja, die Aufnahme zeigt Kapstadt. Bin schon gespannt, wie oft wir die halbe Stunde in die Mother City reinfahren werden.
Heute, 8.3. 2026 müssen wir noch eine knappe Woche warten, bis es losgeht. Die Spontanidee fiel im Januar als es so hässlich war, Politik, Wetter, Temperaturen. Einfach wieder raus. Asien diesmal für uns zu warm, noch keine Lust auf große neue Kultur, dafür dem Winter entfliehen, keine Lust auf Hotels, dafür auf unsere Wohnung, einfach woanders sein. Schon ein paar Dinge besorgen für unseren längeren Aufenthalt im Herbst / Winter. Dem Lärm entfliehen, andere Menschen treffen, billige Mangos essen, das volle Programm. Wir erwarten keine Überraschungen, nur ein klein wenig Abenteuer und vor allem ... nach Hause kommen. Mal sehen, wie es wird.
Am 10.3.2026 die abendliche Meldungen - die Gewerkschaft der Piloten ruft zum Streik am 12.3 und 13.3. auf. Wir wollen doch am 13.3. fliegen. Eine Mail von der Lufthanse am 11.3.2026 in der Früh informiert uns, dass wir bis zum frühen Nachmittag über den Flug Bescheid bekommen. Jetzt, am 11.3. um 17:30 besteht der Status noch auf "Planmäßig". Die Hoffnung steigt.
Freitag, 13.3.2026, 19:20 nach Gate L13 im Flugzeug, einem Airbus A350. Maschine gut gefüllt, viel Platz in den Gepäckfächern. Lauter vernünftige Menschen, so scheint es. Boarden nach Gruppen funktioniert mittlerweile sehr gut.
Take-off soll in 5 Minuten sein. Ist egal, wir haben keinen Anschlussflug. Auf dem Flughafen nichts los. Security nichts los, kaum Restaurants offen, nichts los. Das kann doch nicht am Streik liegen. Laut Abflugplan fällt kein Flug aus. Komisch, da Frankfurt und München die Hauptbetroffenen sein sollten. Vielleicht haben sie hier nur die Cargoflüge bestreikt. Wir haben uns einen Flug mit etwas mehr Beinfreiheit gegönnt. Fühlt sich komplett anders als auf dem letzten Flug von Johannesburg nach Frankfurt an. Hab Ute heut den Gangplatz gelassen. Neben mir eine etwa gleichaltrige Mitreisende.
Ob jetzt endlich die ersehnten großen Ferien beginnen?
Fühlt sich gerade so an. Die erste Folge der Neuverfilmung Shogun angeschaut. Wow, ist ziemlich gut gemacht. Wir fühlen uns in dem Flugzeug wohl. Komfortabel, ausreichend Platz, alles sehr sauber. Die Zeit vergeht ironischerweise wie im Flug.
Samstag, 14.3.2026, 14:00, Somerset West
Die nächsten beiden Folgen Shogun schauen wir auch noch, war zu gut gemacht. Ruhige Nacht, etwas geschlafen, schönes Frühstück bekommen - ja, in der Eco. Der Flug ist einfach nur zu loben. Pünktlich um 7:00 Ortszeit aufgeschlagen, innert Minuten durch die Immigration, Gepäck geholt, Auto abgeholt und zur Wohnung gefahren. Den Weg kennen wir ja. Walle mit ihrer Schwester auch schon da, heute ist Reinigungstag, also kommt Edwina auch gleich. Walle freut sich sehr, dicke Umarmung. Zur Begrüßung stellt sie uns eine Flasche Champagner in den Kühlschrank. Noch eine kurze Besichtigung der anderen, größeren Wohnung. Ist nicht der gleiche Wohlfühlfaktor. Walle wird nächste Woche an der Schulter operiert, kann dann sechs Wochen nicht Autofahren. Na klar helfen wir in der Zeit, in der wir da sind. Wir ziehen schnell Tsongas an - Danke Astrid (D.) fürs Mitbringen vor zwei Jahren - und fahren zum Einkaufen. 10 Minuten entfernt die Vergelegen Mall, gefällt uns besser als die Somerset Mall. Der Food Lovers deutlich besser. Bei den Preisen fällt uns die Kinnlade runter. Zwei Kent Mangos für 1,3 €, na klar beide, ähnlich für Avocado, Grapefruit wirken wie geschenkt. Klar, es ist jetzt Erntezeit. Essen eingekauft, ein paar Kleinigkeiten für die Wohnung, Duschzeug etc.. nur die Käseangebote beim Checkers nicht überzeugend. Wir suchen weiter. Zurück zum Spar, um ein paar Flaschen Chenin Blanc zu holen, dazu etwas Wurst und Vollkornbrot und für heute Abend Lammkotelettes. Und jetzt ist hier jemand komplett durch den Wind. Ist nachvollziehbar, die Anreise doch etwas länger. Bei mir kommt die Implosion sicher später.
Ne, kommt nicht. Wir liegen auf der Dachterrasse in kurzen Klamotten. Klingt schrill, ist schrill, fühlt sich gut an. Etwas lesen / hören, etwas ruseln. Einfach entspannt. Leckerer Gin & Tonic. Später kochen wir. Guacamole und Lamb Chops. Nach dem Essen stehen wir den ganzen Abend auf unserer Dachterrasse und schauen raus. Sternenhimmel, ruhiges Somerset West, im Hintergrund Strand und Harbour Bay am Meer. Unser kleines Paradies. Was für ein Anfang! Wir könnten es uns schon gut vorstellen…
Sonntag, 15.3.2026, Somerset West
Es werden eher die kleinen Dinge sein, die uns auf diesem kurzen Ausflug beschäftigen. Heute Morgen lange geschlafen, die kurze Nacht im Flugzeug fordert ihren Tribut. Irgendwann heute Nacht wurde es sogar etwas kühler, etwas zumindest. Der Blick vom Bett auf den Ort und die Hottentottenberge sind schon etwas besonderes. Aber das war es nicht. Beide sehr gut erholt und noch ein Unterschied. Das Klima umschmeichelt Körper und Geist. Kein bzw. kaum Wind, die Seeluft gelangt bis hierher, weiche Stimmung. Die großen Ferien haben begonnen. Wir sind angekommen, fühlen uns zuhause. Sonntagsfrühstück, beginnend mit einer Mango. Groß wie zwei in München.
Wir wollen etwas ans Meer. Zuerst noch ein klein wenig Sachen besorgen. Eine Salbe, Shampoo und noch was zu essen für heute Abend. Noch keine Lust auf Essen gehen. Die Malls haben hier bis 15:00, 16:00 offen. Wieder in die Vergelegen-Mall. Der Mzuri Compound liegt direkt gegenüber. Ein größeres Neubauviertel, das erst am Entstehen ist. Nicht ganz preiswert, schöne Wohnungen und Townhouses. Nichts für uns. Wir bleiben in den alten Strukturen im Ort. Unsere Anlage schon vierzig Jahre alt. Wie in München. Aber die Mall hat es uns angetan. Nicht viel los, im Gegensatz zu anderen Einkaufszentren hier im Land, wo das shoppen am Wochenende Hobby ist. Alles bekommen, was wir wollten. Heute Abend Burenwürste mit Salat. Die Frischware muss in den Kühlschrank. 10 Minuten heim, schnell rauf, schnell runter und ab. Im Garten verbringen Menschen aus der Anlage ihren Sonntag beim Braai. Sie haben Spaß. Mal schauen, ob wir auch dazu gehen, wenn wir fest hier überwintern.
Über Strand an der Beachfront entlang nach Gordons Bay. Ja, die großen Ferien haben begonnen. Die Parkplätze voll, viele Südafrikaner verbringen hier den Tag. Menschen im Wasser. Will ich auch probieren. Typische Strandatmosphäre, ausgelassen und fröhlich. Wir fahren ein paar Minuten weiter auf der sensationellen Küstenstraße. Den Parkplatz kennen wir auch schon. Einen doppelten Espresso, ein Stückchen Süßes auf Basis von Erdnussbutter und das tun, was wir wollten. Aufs Meer schauen, in die Weite schauen, sich über die Stimmung unten in der False Bay freuen. Die pure Schönheit dieser Ecke der Welt genießen. Es ist warm und wir noch nicht wieder an die Sonne gewöhnt. Also gemütlich nach Hause, die heimelige Atmosphäre aufsaugen und ab auf die Dachterrasse und in die Liegen sinken. Die Fahrt durch die Suburbs nicht mehr fremd. Menschen beobachten, feststellen, dass bei der Einfahrt nach Strand eine Art Auto-City liegt. Etliche Händler, alle ohne Werkstatt, dafür etliche freie Werkstätten, ohne Handel.
Die kleinen Dinge hier finden. Die innere und äußere Ruhe annehmen, die Welt draussen lassen.
Aberwitzig. Wir stehen am Abend mit nem Glas Wein auf der Terrasse, schauen auf das Lichtermeer und das dahinter liegende Meer und sinnieren vor uns hin. Der Lärm der Nachrichten so diffus und kaum wahrnehmbar, das kleine ruhige Paradies wirkt. Innere und äußere Ruhe spürbar. Ängste wegdiffundiert, innere Stille kehrt ein. Und dann noch die Kirchenglocken. Sie erinnern an zuhause. Sie klingen nicht so oft wie in München, dennoch ausreichend vertraut. Dankbar, dass wir das hier entdeckt haben. Wäre schön, es länger … keine Pläne … den Augenblick genießen. Lauer Seewind, Blick auf die Umwelt, die uns schon so vertraut wirkt. Gehen schlafen und freuen uns auf den Montag.
Montag, 16.3.2026, Somerset West
Und der ist fast wieder um. Dabei haben wir heute nichts gemacht außer etwas shoppen. Die Basics angereichert. Etwas früher aufgestanden, schönes Müsli gemacht, wieder eine Monster-Mango verzehrt, Kaffee und ab. Die ersten Weingüter fangen praktisch um die Ecke an. Feine und gepflegte Wohnviertel, durchaus Münchener Fuhrpark mit ner Menge X5. Nach 10 Minuten biegen wir in die Verlegelen Road ein, um im Morgenster Weingut zu landen. Die italienischen Träume sind für uns auch hier wahr geworden. Traumhafte Pinienwälder, vorbei an Weinstöcken und Olivenbäumen. Kein Wunder, der Gründer des Gutes 1990 war Italiener, seine Tochter und Enkelin betreiben das Gut. Wir probieren ein, zwei … nein, keinen Wein, sondern Olivenöle. Sehr fein, ein mildes Öl gleich gekauft. Ein kurzer Blick auf die Weinkarte, das findet man hier selten. Die Roten ausschließlich Piemonteser Trauben, ein leichter Vermentino mit Reben aus Sardinien spricht mich an. Keinen Roten bei den Temperaturen. Eine Kiste Weißen mitgenommen. Take 6, get 2 free. Diese Klasse für 5€ die Flasche. Verrückt. Weiter zur Verlegelen Mall, noch ein paar Sachen einkaufen. Ne Schürze, Servietten, Gemüse fürs Abendessen und ein Baguette. Weiter in die Puglia Cheese Factory. Auch Italiener, die den Käse machen. Gibt nicht viel, keine lang gereiften, dafür fehlen die Keller hier. Aber was wir gekauft haben, schmeckt fein. Fior di Latte, Pecorino, Montalasio und eine Burrata. Das ganze mit Blick auf das Meer.
Ab nach Hause, etwas essen und weiter zur Somerset Mall. Dicke Sportmatten, ein paar Gewichte, im Dis-Chem eine Waage. Weiter in die Waterstone Village Shopping Mall, dort soll ein Tsonga-Laden sein. Gleich zwei Paar für mich und ein Paar für Ute. Ganz schön auf den Putz gehauen heute.
Jetzt reicht es, es ist schwül, immer noch 28 Grad.
Dienstag, 17.3.2026, Somerset West
Heute hat die Entspannung uns erreicht. Nach drei Tagen Ankommen, Einräumen, Einkaufen - ja natürlich in der angemessenen Nicht-Geschwindigkeit - lassen wir Licht und Luft in die Wohnung, liegen in den Liegen auf der Dachterrasse und Lesen. Damit wir nicht vor Faulheit zu stinken beginnen, gibt‘s etwas Training im Freien. das hat schon was. Sporteln mit Blick auf die Berge und das Meer.
Etwas kühlere Temperaturen, so um die 25 Grad machen es auch leicht, noch dazu bei kühlem Wind, sich in die Sportklamotten zu schmeißen und Gabi Fastner anzuwerfen. Tut gut.
Mittwoch, 18.3.2026, Somerset West
Neblig heute Morgen und kühl. Naja kühl, für Polo und leichte Hose reicht es allemal. Marco meldet sich auf seiner Fahrt zu einem Vortrag nach Mannheim. Schönes Gespräch.
Wir fahren nach Kapstadt. Sind ja nur 40 Minuten. Der Himmel klart auf, es wird wärmer. Parken wieder an der Waterfront, etwas einkaufen gehen; ein paar Sachen fehlen noch. Es ist verdammt schön hier. Der Tafelberg frei, Sonnenschein, wenige Menschen. Immer wieder fesselnd hier. Nach zwei Stunden reicht es und wir fahren zurück. Immer noch kein Verkehr. Walle und ihre Schwester kommen auch gerade. Das Dach soll gerichtet werden, weswegen der Spengler vorbeikommt. Morgen früh um 6:00 Muss sie ins Krankenhaus und bleibt aller Voraussicht bis Freitag dort. Die OP soll wohl morgen sein. Wir gehen in die Wohnung, essen eine Kleinigkeit und wollen etwas lesen. Das WLAN geht nicht. Ich versuche, es wiederherzustellen. Router kommt wieder aber kein Außenverkehr. Ich setze den Router zurück. Hoppala wohl ganz zurück. Er meldet sich mit seinem Defaultnamen und möchte ein Passwort. Hab ich nicht. Wir suchen Unterlagen, finden wir nicht. Ich ruf Walle an, geht nicht ran. Ich schreibe eine WhatsApp, sie bekommt sie nicht. Retabile angefunkt, kann logischerweise auch nicht helfen. Das ist schöner Mist. Die Hilfeseiten des chinesischen Router-Herstellers gar nicht so schlecht. Hilfe in ENG und DEU. Kein Internet, kein Fernsehen. Na vielleicht meldet sich Walle noch. Meine letzte Option wäre, den Router komplett neu aufzusetzen und das Netzwerk neu zu konfigurieren. Das mach ich allerdings nur mit Walles Zustimmung.
Ok, sie hat sich gemeldet und mir ihren Kontakt zu ihrem IT Service geschickt. War nicht erreichbar, sie wollte ihm auf die Mailbox sprechen. Dann verschwindet sie ins Krankenhaus. Ihre Schulter-Op soll morgen stattfinden. Ich möcht es erst mal selbst hinbekommen. Router reset - ok. Neues Admin-Passwort vergeben - ok. Check des Netzwerks- Fehlermeldung, dass Kabel nicht eingesteckt ist. Doch, ist es. Das Kabel verschwindet in der Wand. Kabelkanal? An der Außenwand hängen etliche Kabel wirr in der Luft. Welcome to Africa. Vielleicht haben die Dachdecker, die vorhin da waren, um den Dachschaden zu inspizieren - immerhin schneller als in München - das Kabel zertreten. Liegen eine Menge davon auf der Terrasse rum. Retabile mit pragmatischem Ansatz. Daten für Handy kaufen und das Handy als Hotspot nutzen. Wird wohl das Beste sein. Wir lassen uns nach einer kurzen Phase des Geknicktseins die Laune nicht versauen. Geht schon irgendwie. Also erst mal ein G&T, dann Penne Arrabiata und dazu einen Thelema Sauvignon. Noch ein Glas auf der Dachterrasse mit weitem Blick in den Ort bis Strand, Gordons Bay und dem Meer. Herrlich.
Donnerstag, 19.3.2026, a.a.O.
Mittlerweile haben wir herausgefunden, wie viel Datenvolumen noch auf den Handys zur Verfügung steht. Auch das schaffen wir. Ganz einfach mit der *135# - noch 50 GB, das reicht erst mal. Netzwerken ist ich hier wichtig, gerade hier. Ruth, die Schwester von Walle ruft an. Sie haben versucht, den Dachdecker zu erreichen. Ging nicht ran. Walle liegt noch unter dem Messer. Ich beruhige Ruth und rufe Chris an. Hab die Nummer von Walle. Er ist der Netzwerkprofi hier. Ruft gleich zurück und wird gegen 12:00 hier sein. Mal schauen, ob er den Router neu aufsetzen kann. Wir wollten heute ohnehin nur einkaufen gehen. Also wenn die Wettervorhersage immer so gut ist, nehmen wir sie. Grau und wolkenverhangen war die Vorhersage, etwas bewölkt, Sonne kommt schön durch und etwa 27 Grad ist es. Bislang auch wie von unserer Vermieterin schon im November angekündigt, haben wir angenehm wenig Wind, können Fenster und Türen Tag und Nacht offen lassen.
Chris kommt pünktlich. Recht cooler Typ. Hat mir seiner Frau eine ganze Weile in London gelebt. Sie ist Lehrerin, wollte nicht, dass ihre Kids in einer respektlosen, aggressiven Schule groß werden. Sind sie wieder zurück hierher. Chris in Somerset West aufgewachsen, empfindet es hier nicht als unsicherer als London. Zweimal überfallen, einmal die Wohnung aufgebrochen, ein Auto geklaut. Nicht hier, in London. Macht sich daran, den Router hochzufahren, kommt genau so weit, wie ich. Keine Verbindung. Liegt am Netzwerkkabel.wir versuchen, das Kabel zu verfolgen. Durch die Wand ohne Kanal, die Außenwand hoch, erste Weiche. Vermutlich rechts zur anderen Wohnung von Walle. Da geht nur ein Netzwerkkabel rein. Die Wohnung kennt er. Kann es nicht sein. Es fehlt ihm bei uns in der Wohnung eine Box zum Provider. Haben wir Glasfaser oder noch eine Schüssel? Oben auf dem Dach noch ein paar Schüsseln. Tote Netzwerkkabel hängen rum. Nach einer Stunde geben wir auf. Da muss Walle noch Informationen haben. Auch keine Login-Daten für den Provider. Wer ist der Provider? Wir werden wohl doch dem Rat von Retabile folgen und eine Menge Airtime fürs Internet kaufen. 5G ist schnell hier. Immerhin komme ich zum gleichen Ergebnis wie Chris.
Wir fahren in die Vergelegen Mall zum Einkaufen. Liegt gut, ist neu und hat gute Angebote. Es geht in die Vollen. Lorbeerblätter, Muskat, etc. also alles, was es zum Kochen braucht. Noch immer keinen Drang, Essen zu gehen. Obst und Gemüse so frisch und von hoher Qualität.
Sitzen jetzt im Wohnzimmer, lesen und schauen raus. Können uns an dem Ausblick nicht satt sehen.
Am Abend und in der Nacht leichte Wetterverschiebung. Es schüttet - immer wieder ein heftiger Schauer. Dauert nur ein paar Minuten. Ist uns egal. Wir sitzen drinnen, Terrassentür weit auf und genießen ein paar Grad weniger. Immer noch warm genug für T-Shirts. Die Natur dankt es mit neuem Grün um uns herum.
Freitag, 20.3.2026, a.a.O.
Es sind große Ferien. Was macht man in den Ferien? Genau, nichts, absolut nichts und dennoch kommt immer wieder was Neues dazu. Heute Nacht und am Morgen hat es geregnet. Typisch südafrikanischer Regen. Wie aus dem Nichts ein Duscher. Dauert ein paar Minuten und dann ist Ruhe. Bis zum nächsten Duscher. Es hat etwas abgekühlt, es gut tut. Sind immer noch jenseits der 20 Grad. Schönes Frühstück mit Eier und Avos und Grapefruit und Melone und Maracuja. Weiter gelesen. Ute in ihrem Roman, ich in Nelsons Mandelas Autobiografie. Sehr spannend und sehr lehrreich. Wir gehen ein paar Meter hier im Viertel. Die Nespresso Kapseln sind uns einmal zu umweltschädlich und zum anderen auch zu teuer. Um die Ecke ist ein Weißwarengeschäft. Die haben nur Jura und ähnliches. Wir wollen eine bezahlbare Siebträgermaschine. Haben sie hier nicht. Etwas weiter eine kleine verspielte Mall mit Mugg & Beans. Vielleicht… ne, auch nicht. Ok, dann nicht. Zurück über den deutschen Bäcker. Sie haben Sauerteigbrot und Pain au Chocolate. Es fängt wieder etwas zu tröpfeln an. Ok, dann eben zurück und ins Netz. Geht ganz ordentlich mit dem Handy als Hotspot. Wir haben am Flughafen jeder 50 GB aufgeladen. Mal schauen, wie weit wir damit kommen. In Kapstadt einen Baristashop. Und sie haben auch die Rancilio, die wir in München auch haben bzw. die uns vor der Reise abgeraucht ist - kein Wunder nach 15 Jahren Dauerbetrieb. Anfang April kann ich die Neue holen. Zwei Maschinen sind uns auch zu teuer. Wir finden in dem Shop eine Gaggia und eine Mühle, zusammen etwas günstiger als eine Rancilio. Mail abgeschickt, ob verfügbar. Nach Minuten kommt die Rückmeldung. Jetzt wissen wir schon, welchen Ausflug wir morgen machen.
Noch ein paar Schritte raus, um Straßenfotos zu machen. Geh ohne Ute vor zur Main, hol die Kamera aus der Tasche. Nein, es ist nicht gefährlich, aber es fühlt sich komisch an. Nie vergessen, wo wir sind.
Wieder in der Wohnung noch ein wenig lesen, dann eine Stunde auf der Dachterrasse Sport gemacht. Tut gut mit dem Blick ins Grüne bis zum Meer sich zu bewegen.
Samstag, 21.3.2026, a.a.O.
Wieder ein neuer „shitty day in paradise“. Der Regen hat sich verzogen, die Sonne steht prall am Himmel. Temperaturen sehr angenehm bei 25 Grad. Der Wecker klingelt, heute um 9:00 kommt Edwina und wir wollen in die Stadt.
Nach Kapstadt in die Imam Haron Road. Ja, so sieht die Gegend auch aus. Moscheen, viele Muslims, alles sehr aufgeräumt und friedlich. Ich würd sagen, Mittelstand in Südafrika. Wesentlich friedlicher wirkend als in Pretoria. Der Barista Store Cape Coffee Beans, ein kleiner Laden mit lauter jungen Menschen. Wir wissen ja, was wir wollen, lassen alles einpacken und freuen uns über den Kauf. Kaum daheim, kommt die Mail, dass sie vergessen haben, ein paar Sachen des Kaufs einzupacken. Ok, wir fahren nächste Woche ohnehin wieder nach Kapstadt.
Bevor wir zurückfahren, machen wir noch am Muizenberg Beach Halt. Einmal für Klaus, damit er endlich Strandbilder bekommt , dann auch für Michaela, damit wir Bilder mit Ute für ihre HomePage schicken können und natürlich auch wegen uns, um die bunten Umkleidehäuschen sehen zu können. Der Strand ist riesig. Ewig breit und für unsere Verhältnisse ewig tief. Es findet ein Longboard-Event statt. Für uns nicht einfach nachvollziehbar, da die Surfer ewig hinausgehen müssen, um ins Wasser zu kommen. Die Wellen außerdem sehr klein. Eher was fürs Kiten. Auch die Kitesurfer zischen durch die Wellen. Im Vergleich zu Europa ist nichts los. Der Wind pfeift ganz schön, die Luft sehr salzig und wir eher shoppingmäßig denn strandadäquat angezogen. Fahren wir wieder zurück nach Somerset West.
Noch etwas Wurst beim Spar eingekauft, zieht es uns noch zur Deutschen Bäckerei über die Straße. Etwas Süßes zum Kaffee. Die backen ja so gut! Der Blaubeerkuchen mit Streusel eine Sensation.
Zurück in unsere Enklave. Ausgepackt, mit Walle geschrieben, damit sie auch auf Stand ist. Die OP gut verlaufen, aber jetzt ist sie geschlaucht, ihre Schwester auch. Noch ein wenig mit Zandile und Retabile geratscht. Reicht schon wieder für heute.
Sonntag, 22.3.2026
Heute wird meine Mutter 94 Jahre alt. Sie weiß es nicht mehr. Wir besuchen sie nach unserer Rückkehr.
Ein komischer Tag heute. Blauer Himmel, schöne Temperaturen. Als ich kurz vor Sonnenaufgang aufwache und auf die Terrasse gehe, sind die glutroten Anzeichen des neuen Tages schon hinter den Hottentotten-Bergen zu sehen. Es fühlt sich so friedlich an. Weit weg von dem, was da draußen vor sich geht. Keine Sorgen, keine Ängste vor dem Wahnsinn, der abgeht. Einfach nur hier sein. Die Zurückgezogenheit fühlt sich gut an. Die Kirchenglocken läuten, unser Paradies ist stimmig.
Sonntagsfrühstück mit Avocado, Spiegeleiern, Melone, Feigen etc. etc. immer noch alles gut. Ute wäscht erst mal. Der Schrank ist schon leer. Wir haben ja Waschmaschine, Trockner und vor allem den Wind vom Meer, der alles sehr schnell trocknet. Ich schreib wieder mal einen Brief an Heidi. Es war lange still. Dann Zeitung lesen. Ich wollte nur mal kurz schauen, was abgeht. Sie drehen durch. Die Amerikanische Regierung dreht komplett am Rad, Trump dreht durch. Erst greifen sie den Iran an, jetzt soll die NATO - ein Verteidigungsbündnis - die Straße von Hormus absichern. Trump wird ein Debakel erleben und es anderen in die Schuhe schieben. Russland dreht im Land die mobilen Daten Schritt für Schritt ab, sie wollen die Bevölkerung kontrollieren. Ungarn blockiert die EU usw. usw.. Es fühlt sich an, als ob die uns bekannte Welt abschmiere. Und das soll uns nicht berühren. Selbst hier unten.
Die Wäsche ist fertig, wir müssen raus. Ein paar Minuten mit dem Auto entfernt, liegt der Helderberg National Park. Einfach raus aus der Schleife. Wir fahren durch sehr feine Viertel, große Grundstücke, noch größere und zum Teil sehr schöne Häuser. Ist das hier Grünwald? Der Unterschied zu Pretoria ist der Zustand der Häuser und die Entspannung, die die Gegend ausstrahlt. Die Grundstücke sind schon gesichert, aber kaum sichtbar. Keine hohen Mauern, keine Stacheldrahtzäune, sehr einladend.
Der Parkplatz vor dem Nationalpark leidlich leer. Eintritt für uns zwei je ein €. Uns erwartet eine gepflegte Parklandschaft mit Schattenplätzen, unter denen Familien picknicken, ausgedehnte Rasenflächen, eine großzügige Information und letztlich geht’s hinein zu den Wanderwegen. Alles gut ausgeschildert, unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, Informationstafeln zur Flora und Fauna. Die Routen von einfach bis ausgesetzt, von einer Stunde bis zum Tagesmarsch mit knapp 1.000 Höhenmetern. Es ist recht warm, wir entscheiden uns für einen lockeren Spaziergang mit einer Länge von einer Stunde. Der Blick sagenhaft. Rundum etwas zu sehen. Berge, Weinfelder, im Hintergrund Somerset West, Strand und das Meer. Die Pflanzenwelt umfassend, uns noch nicht allzu bekannt. Viele Proteae. Muss schön ausschauen, wenn sie blühen. Hier kommen wir häufiger her. Ist gut, um den Wahnsinn einfach auszuknipsen. Ist auch wenig los. Ein paar Südafrikaner, ein paar Deutsche, alles sehr zurückhaltend. Die Stunde reicht auch, der Wind reicht nicht bis zu uns, die Temperaturen kräftig und die Sonne knallt runter. Große Ferien einfach.
Zuhause Nachbetrachtung der Tagesmeldungen. Uns beiden wird ganz schwummrig, was der Typ über dem Teich lostreten kann. Rausschauen, Sonne genießen und versuchen, den Wahnsinn draußen zu lassen.
Montag, 23.3.2026, immer noch hier
Ein neuer Tag, eine neue Woche. Es ist wieder wärmer geworden, noch hält sich der Wind in Grenzen. Frühstück - wieder Muesli (speziell für Manuela) - Kaffee und ab. Die N2 nach Kapstadt. Noch einmal ins Cape Coffee Beans (CCB). Sie und wir haben ein paar Sachen vor lauter Ratscherei übersehen. Wenig Verkehr, keine 40 Minuten bis zum Store. Das fahren wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in München auch. Alles geklärt, sie hatten die Espressotassen nicht berechnet und den Stopfer sowie das Milchkännchen nicht eingepackt. Egal, wieder ein kurzer Ratsch, einen neuen Kaffee aus Äthiopien, der nicht so sauer sein soll, mitgenommen. Kann auch daran liegen, dass in Südafrika nur Arabica und kein Robusta verfügbar ist. Unser „Haus-Espresso“ ist eine Mischung 40:60. Wir werden es sehen, ne schmecken. Wir wollen weiter zum Llandudno Beach. Dort soll eine Veranstaltung stattfinden: Surfen Cape Town Pro 2026. Knapp 30 Surfer sind gemeldet, Preisgeld geschlagene 3.000 ZAR. Auf Ihrer Website schreiben sie schon, dass wegen der Jahreszeit viel Warterei angesagt ist. Egal, wir wollen da mal hinschauen. Hinschauen, genau das Richtige. Die Hinfahrt vom CCB schlicht umwerfend. Über Claremont und Kenilworth führt uns das Navi Richtung Constantia. Kleine, gewundene Straßen den Berg hinauf, an Kirstenbosch vorbei. Die Grundstücke immer größer, die Anwesen noch größer. Ok, hier im Schatten des Tafelbergs in einem grünen Paradies stehen die Villen über die viel geschrieben steht. Zweistellige Millionenbeträge, nein, nicht in ZAR, sondern in EUR. Angepflanzt vom Feinsten und am spannendsten, wenig gesichert. Alles wirkt extrem entspannt. Unser kleiner KIA zwischen den X5 und X6. Die Töchter und Ehefrauen standesgemäß Mini bzw. Countryman. Auch mal Porsche GT4 Cabrio oder ein Ferrari dabei. Wobei die Gegend alles andere als protzig wirkt. Sie ist einfach nur schön, fühlt sich wie am Mittelmeer an und doch nicht. This long and winding road lädt zum cruisen ein. Wir könnten endlos durch diese Gegend fahren. Dann geht‘s Richtung Hout Bay und scharf links den Buckel runter durch eine feine Wohnstrasse mit sehr netten Villen mit Meerblick. Und schon sind wir am Ende der Straße, ein kleiner Parkplatz mit max. 20 Fahrzeugen ist übervoll. Ok, der Strand wäre schon schön, eine Menge junger Surfer und Surferinnen hängen herum, aber zum einen kein Parkplatz, zum anderen keine Wellen. Fein, zurück den Berg hinauf und an der Küstenstrasse Richtung Kapstadt. Was für ein Blick über die Strände, was für ein Blick über die Natur aufs Meer. Alle paar Meter halten wir an einem Viewpoint und „viewen“ dumm in die Weite. Deswegen sind wir hier und deswegen bleiben wir hier. Die Straße führt auf Meereshöhe, wir erreichen Camps Bay. Das berühmte Camps Bay, Sehnsuchtsort vieler Europäer und US-Amerikaner. Ein Parkhaus, wir halten, gehen ein paar Meter. Nur ein paar Meter. Es sieht hier aus, wie überall auf der Welt, wo sich die Touristen tummeln. Nette Küstenstraße durch den Ort, überall parken die Autos, neben der Straße reiht sich Kaffee anKaffee, Restaurant an Restaurant. Ketten wie Starbucks, Hard Rock Café sind vertreten. Überall sitzen die gleichen Typen drin, trinken Bier oder Kaffee. Eigentlich beliebig. Wie am Gardasee, Mittelmeer oder Karibik. Wir fahren weiter über Seapoint, Green Point und denken uns, dass wir schon die richtigen Strände gefunden haben. Muizenberg, Llandudno. Es gibt noch so viele mehr. Wir kommen.
Eine gute halbe Stunde weiter sind wir wieder zuhause. Beeindruckender Ausflug, dabei fangen wir doch gerade erst an.Jetzt noch in die Somerset Mall, wir brauchen ein große Pfanne und noch ein paar Kleinigkeiten.
Walle kommt mit ihrer Tochter Conni vorbei. Sie vermutet den Fehler des Internets in ihrer anderen Wohnung. Als wir drüben waren, hatte sie festgestellt, dass eine Leuchte nicht mehr ausging. Sie hatte im Nachgang noch den Router ausgestellt. Sie gehen rüber, schalten an, Router geht wieder. Jetzt müssen wir nur noch unseren Router neu programmieren, so die Aussage von Chris. War nicht viel einzugeben. Neuer Name, neues Passwort, geht wieder. Internet verfügbar. Fernseher anmachen, anmelden am Router, geht auch wieder.
Dienstag, 24.3.2026
Der Wecker klingelt etwas früher. Die Handwerker kommen bald. Das Dach wird neu mit Blechen belegt. War wohl undicht - kein Wunder nach 40 Jahren. Die Jungs rücken pünktlich um acht Uhr an. Warum uns das interessiert? Na weil unsere Dachterrasse als Ablage für die Blechpanele dient und der Zugang zu den anderen Häusern am günstigsten ist.
Noch ist es einigermaßen kühl. Blauer Himmel und wieder dieser abgöttische Blick in die False Bay. Ute hat schon Recht. Die False Bay und die Lage der Orte muten nach einem großen Amphitheater an. Einem gigantischen, kilometerlangen Amphitheater.
Wir wollen heute für die nächsten Tage einkaufen. Die notwendigen Investitionen in die Wohnung und die Küche sind nahezu abgeschlossen. Wir befinden uns schon auf der Ebene Knoblauchpresse und Topflappen. Gibt es beim Checkers in der Vergelegen-Mall, die Lebensmittel lieber einen Stock tiefer im Food Lovers Market. Dessen Angebote wie schon mehrfach geschildert, sind märchenhaft.
Heute wird’s noch einmal richtig warm. Deshalb Durchschnaufen in der noch kühlen Wohnung. Hab ein Online-Magazin auf Deutsch gefunden, den Kapexpress. Prima, Nachrichten von hier. Die Internationalen Informationen auch nicht besser als in anderen Zeitungen, wie auch. Dafür Spannendes aus Südafrika. Zahlen, Daten, Fakten zu den großangelegten Razzien Ende letzten Jahres. Mehr als 16.000 Festnahmen in einer Woche. Da bekommt der Begriff Kriminalität eine andere Bedeutung. Danach fahren wir durch die Gegend hier ins Weingut Morgenster. Die Daten und die gefühlte Sicherheit hier passen nicht zusammen. Alles ruhig hier, sehr entspannt. Unser Olivenöl geht schon zur Neige. Es schmeckt einfach zu gut.
Weiter über Nebenstraßen durch den Helderberg Estate, ein weiteres Viertel, in dem alles sehr ruhig zugeht. Die hügelige Landschaft des Weinlandes so bezaubernd. Zwischendrin Obst- und Gemüsefelder. Es ist Erntezeit. Sehr viele Erntehelfer zu sehen. Bei der Hitze ganz schön anstrengend. Nach ein paar Minuten biegen wir ins Weingut Spier ein. Eines der bekannten und renommierten Weingüter hier. Sie bieten im Schatten ein Picknick an, mittags noch ein Gartenrestaurant und eine Braai-Bude, abends ein gutes Restaurant. Heute interessiert uns der Kunstgarten. Spier setzt sich für Nachhaltigkeit und für Kunst ein. Aktuell werden im Freien wunderschöne große und moderne Mosaike gezeigt.
Im Shop kaufe ich genau zwei Flaschen Wein. Den günstigsten Chenin Blanc für sechs Euro und den teuersten für 30 Euro. Da machen wir die nächsten Tage ein privates Wine Tasting. Wir entdecken Hinweise auf die Spier Lightshow, die noch bis April stattfindet. Zurück zuhause werden gleich Tickets für Montag bestellt.
Und endlich weiß ich, woher „Eish“ kommt.
Wieder ein schöner Tag. Jetzt, gegen 18:00 machen die Handwerker auch Feierabend. Den ganzen Tag in der prallen Sonne auf dem Dach. Auch nicht einfach.
Mittwoch, 25.3.2026
Wo ist er denn, der heutige graue Tag. Ok, die Temperaturen sind etwas gefallen, „nur noch“ knapp 22 Grad, was sich immer noch ordentlich anfühlt. Wir wollten heute Hausarbeit machen, etwas bügeln, etwas waschen.
Kleine Ernüchterung beim Frühstück. Der Strom ist weg, das Wasser ist weg. Ist es wieder soweit? Load shedding, water shedding? Nachfrage bei Walle. Sie hatte auch erst kurz vorher Bescheid bekommen. Heute ist unser Dach dran. Na, ok, wenn das alles ist. Dann eben keinen Kaffee, da wir keine Lust auf rausgehen haben. iPad und Lautsprecher sind noch gut aufgeladen. Wir hören uns weitere Kapitel des Hörbuches an. Ute hatte nach der Ankunft Shogun heruntergeladen. So spannend. Irgendwann in einer Pause schau ich nach Strom. Geht wieder. Geht wieder? In der ganzen Wohnung, nur nicht in der Küche. Ich sprech einen der Handwerker an. Sind alles Spengler. Ja, einer fragt mal. Ich warte, nichts passiert. Ich frag den nächsten. Ja, ich frag mal. Nichts passiert. Dann geh ich raus und greif mir einen der Kappos. Er ist Spengler, aber da oben steht Peter, der lange dünne. Der ist Elektriker. Warten, glaub schon nicht mehr dran, sagt Ute als ich mal nicht an der Tür stehe: Da kommt er. Nichts wie gefragt. Peter, gut einen Kopf größer als ich, nicht mehr ganz jung, geduldig. Kommt rein, fragt nach dem Sicherungskasten. Da war ich auch schon dran, hab versucht, die beiden Sicherungen wieder hochzuziehen, ging nicht. War so vor 30 Minuten. Er fasst hin, jetzt geht’s. Auf dem Dach hatten sie zur Neuverlegung die Solarpanele und den Heißwassercontainer abgebaut. Vielleicht deshalb. Strom wieder da, Kaltwasser wieder da. Heißwasser morgen wieder. Egal, erst einmal zwei doppelte Espressi. Und jetzt an die Hausarbeit. Waschmaschine geladen, ich Bügel meine Sachen, wieder hören den ganzen Tag Shogun. So spannend. Und draußen scheint die Sonne.
Ich weiß nicht, ob es schon erwähnt wurde. Wir haben absolut keine Lust bald wieder nach München zu fliegen. Es fühlt sich jetzt schon wie daheim an.
Donnerstag, 26.3.2026 Kapstadt und Somerset West
Sensationeller Tag. Der Wecker klingelt zur Unzeit. Kalte Wäsche, weil der Heißwasser Behälter auf dem Dach nicht montiert ist. Halbe Banane, ein Brot, Kaffee und ab. Unten im Hof noch kurz mit Peter dem Elektriker gesprochen und dann sitzen wir kurz nach 7:30 im Auto. Keine Ahnung, wie dicht der Morgenverkehr ist. Wir wollen keinen Stress. Auf die Autobahn N2 Richtung Kapstadt. Kurz nach Kayelitsha wieder runter und Richtung Epping. Spannende Tour. Im Morgenverkehr durch das Industriegebiet zu fahren. Erinnerungen an Rosslyn werden wach. Nur viel größer hier. Und der Verkehr ordentlicher. Gut, die Kleinbusse fahren wie die Henker, daran kann man sich gewöhnen. Nein, wir fühlen uns ganz und gar nicht unsicher, obwohl die Gegend teilweise schon verwegen ist. Über eine Brücke und schon sind wir in Woodstock, wo wir hin wollen. Parken kein Problem, abgesicherter öffentlicher Parkplatz an The Old Biscuit Mill. Viele kleine kreative Läden. Es ist noch etwas Zeit. Da ist ein Espresso Lab. Auch ein kreativer Kaffeeladen. Sie bieten tolle Kuchen an. Haben ja wenig gefrühstückt. Auch hier servieren sie nur 100% Arabica. Da müssen wir uns erst reintrinken. Noch nicht ganz unser Geschmack. Ach ja, das Wetter wieder ein Traum. Blauer Himmel, nicht zu heiß, simply perfect. Kurz vor 10:00 treffen wir unseren heutigen Guide Sipho. Mit acht anderen Gästen machen wir in Woodstock eine Graffiti Tour. Sipho kommt aus Soweto und ist Foto- und Videograf. Er führt uns zwei Stunden durch das ehemals sehr gefährliche Viertel und das angrenzende Salt River. In Woodstock haben die Kreativen eine sehr positive Veränderung bewirkt. Leerstehende Fabrik- und Bürogebäude wurden zu Studios und günstigen Apartments umgebaut. Monatlich kommen neue hinzu. Wir halten an einem Piece im einer Straße, die ehemals die gefährlichste überhaupt war. Nichts, Ruhe, leises und geschäftiges Treiben. Sipho führt uns anhand des Themas Nature und die Abhängigkeit der Menschen davon. Spricht die Auswirkungen von Politik, Klimawandel und Urbanisierung deutlich an. An einem Piece hat der Künstler die Auswirkungen beschrieben, wie der weiße Hai von Orkas vertrieben wurde. Die Orkas reißen nur die Leber aus und lassen die Tiere verenden. Weiße Haie hatten Seehunde gefressen, die konnten sich jetzt massiv vermehren. Und die Seehunde wiederum jagen Pinguine. Und deren Population sinkt seitdem um jährlich 10%. Tolles Stück, sehr feinnervig erzählt.
Wir gehen weiter nach Salt River. Ein vorwiegend muslimisches colored Viertel. Unter colored werden all die vielen Gruppen beschrieben, die nicht weiß und nicht schwarz sind. Also Kapmalayen, Inder, Nachkommen von gemischten Beziehungen etc.. und die haben in Summe wenig gemeinsam, konnten sich nicht verbünden und hatten deshalb keine Stimme im Land. Dieses Viertel ehemals ein Drogensumpf, auch durch Fußball mittlerweile sehr friedlich geworden. Nach zwei Stunden führt uns Sipho wieder zurück zum Ausgangspunkt. Sind ganz beseelt. Was jetzt? Na ein wenig Appetit haben wir schon. Zur V&A Waterfront wollen wir nicht. Ute manövriert mich zu einem kleinen Restaurant, dem The Test Kitchen, Fledgelings. Setzen uns ins Freie, Zoe eine ganz reizende Bedienung. Wir erleben ein Drei-Gänge-Menü auf sehr hohem Niveau, einer tollen Küchencrew und ein nettes Gespräch mit dem Inhaber. Nach jedem Gang, den wir einfach loben müssen, so gut, geht Zoe in die Küche und gibt es weiter. Und ein lautes Woooooow erklingt von drinnen. Einmal kommt ein Koch raus und erklärt seinen Gang, einmal geh ich rein und frage, ob ich fotografieren darf. Wir lernen, das Konzept des Restaurants ist, dass ungelernte Kräfte anfangen und learning on the Job machen. Wir sind noch einmal beseelt. Der englische Inhaber bedankt sich noch für die positive Energie bei uns. La Consequencia wie der Spanier sagt, die Rechnung für das Mittagessen mit zwei Flaschen Wasser, zwei Mocktails in etwa, was in München eine Portion Wiener Schnitzel kostet. Gemütlich fahren wir nach Hause. Die Handwerker immer noch voll am machen. Im Schlafzimmer fünf Löcher. Ui, haben die Jungs zu tief gebohrt? Ich funk Walle an, sie kommt mit Conni vorbei. Noch vor ihrer Ankunft schnappe ich mir Peter, er begutachtet den Schaden und beruhigt uns. Es sind Nägel, die im Dach eingebracht sind. Durch die Arbeiten auf dem Dach heben und senken sie sich und lassen den Putz abbröckeln. Keine Affäre, wird wohl morgen schon erledigt. Noch ein Ratsch mit Walle und Conni und der Abend ist unser Freund. Naja zu Essen brauchen wir heute eher nichts mehr.
Freitag, 27.3.2026
Eigentlich war heute ein beschaulicher Tag angesagt. Eigentlich. Wetter schön, etwas kühlere Temperaturen, sehr angenehm. Die Handwerker noch auf dem Dach. Heute soll der Durchlauferhitzer auf dem Dach wieder montiert werden. Schön, wieder heißes Wasser zu bekommen.
Erst mal geht’s zum Wochenendeinkauf in der Vergelegen Mall. Wir brauchen viel Trinkwasser und das bekommen wir beim Checkers, der wohl größten Supermarktkette hier in Südafrika. Sie haben bessere Angebote als andere, gefühlt unendlich lange Gänge, wo wir irgendwie alles bekommen, was man zum Leben benötigt. Wir haben zwar keine Rewe-Karte in München, die Checkers Karte dagegen schon. An der Trinkwasserstation füllen wir unsere drei 5-Liter Flaschen. EinLiter für 1 ZAR, 5 €-Cent. Davor waren wir beim Puglia, der Käse geht zu Ende. Der Laden liegt etwas oberhalb vom Meer und bietet eine gewaltige Aussicht auf die False Bay. Wir achten darauf, dass wir nicht zu viel kaufen, das Restprogramm ist langsam überschaubar.
Zurück in der Wohnung, ringt das Handy, eine WhatsApp kommt, dass wir noch eine Blumenlieferung bekommen. Na klar, kommt aus Montana von Zandile. Uns steigt ein leises Lächeln ins Gesicht.
Ute geht alleine zum Bäcker und zum Spar. Ich warte, nichts. Oben klopft jemand vom Team. Ich soll den Strom abstellen, sie montieren wieder. Ok, Strom weg, Wasser weg. Strom bald wieder da, Wasser noch nicht.
Wir hören weiter Shogun, warten auf den Lieferservice. Wasser kommt wieder, aus dem Warmwasserhahn kommt nichts raus. Verstopft mit Rost. Kennen wir aus München. Einer der Jungs reinigt geduldig alle Siebe, mit dem Erfolg, dass Wasser fließt, jedoch rostig ist. Auch nach einer Weile wird’s nicht besser. Wir lernen, dass der Geyser, also der Durchlauferhitzer, alt und rostig ist. Info an Walle, sie weiß jetzt auch Bescheid. Sie will sich unmittelbar darum kümmern, ist selber nach ihrer OP immobil, da halte ich sie auf. Wir kommen schon klar. Peter der Elektriker, Firmeninhaber und Kompetenzträger kommt vorbei und erzählt von den Folgen rostigen Wassers. Von Allergie über rauhe Haut ist vieles dabei. Sie sind hier schon rührend, wie sich alle kümmern. Irgendwann passt alles einigermaßen und wir fangen mit Sport an. Kurz nach dem Warmwerden klingelt das Handy, der Lieferservice ist da. Schnell in Tsongas geschlüpft, renn ich runter, nehme einen hübschen Blumenstrauß in Empfang und hüpfe die Treppen hoch. An der letzten, verdammt sie ist doch höher und ich bin schon mal hingefallen, rutscht mein kleiner Zehen des linken Fußes aus, knickt an der Treppenkante weg und mich haut’s auf die Arme. Tut weh! Ich kuck den Zehen an, vollgepumpt mit Adrenalin, scheint nicht gebrochen zu sein. Aber ziemlich blutig. Humpel zurück in die Wohnung, Ute meint nur „Oh Gott“, wir müssen zum Doc. Freitag, 16:30. Walle hatte uns eine Adresse um die Ecke empfohlen, wir fahren hin: „No doctor on duty for emergency, go to the Vergelegen clinics emergency“. Ist nur ein paar Meter weiter. Ok, um 16:50 betreten wir die Notaufnahme. Ich registriere mich an einem Tablet, kläre ein paar Dinge mit einer Dame am Empfang, wir warten etwas, es ist nicht all zuviel Betrieb in der Notaufnahme. Mein Blutdruck wird gemessen - natürlich ist er viel zu hoch, kommt vom Schock - dann warten wir wieder etwas am Empfang. Wir werden in den Behandlungsraum geführt, wo mir ein mit Vorhängen abgetrenntes Bett zugewiesen wird. Ute bei mir. Eine sehr junge Ärztin, sehr freundlich, untersucht mich. Der Fuß kommt in ein Jodbad und ruht dort ein paar Minuten. Dann setzt eine Schwester bekomme mir eine Tetanusspritze. Die Ärztin kommt wieder, spritzt, näht mit zwei Fäden. Ok, die Betäubungsspritze in die Zehen tut schon recht weh. Die Wunde wird mit einem Klebstoff versiegelt. Eine blutjunge Assistenzärztin, Schwestern unterschiedlicher Hierarchie, egal, alle sehr freundlich und professionell. Die Tetanusspritze exzellent gesetzt. Nach 90 Minuten bin ich wieder draußen und beeindruckt. Tolle Teamstimmung, sehr freundlich, fühle mich gut behandelt und drücke gerade mal 120€ ab. Ab jetzt etwas langsamer und das Übliche - sauber halten und in 10 Tagen Fäden ziehen lassen. Was für ein Tag mit einer „eigentlich“ großartigen Erfahrung.
Jetzt muss ich mich etwas betreuen lassen, dafür versuchen wir den Premium Chenin Blanc von Spier. Der einfache war ja schon prima. Wir sind gespannt. Sehr intensiv, tiefgründig, ein Traum, aber der einfache reicht uns auch. 6€ vs. 30€. Klare Angelegenheit für den einfachen Chenin Blanc.