furt samma
 

Slowakei 2020 16.8.2020 bis 23.8.2020.

Bei den aktuellen und aktuell wieder steigenden COVID-19 Fallzahlen und der ungebrochenen Reiselust kommt mir eine Analogie zu meinem ersten Sport  - naja schon 50 Jahre her (Stand August 2020) - dem Judo vor.Judo als zusammengesetzter Begriff bedeutet "der sanfte Weg". Ich habe ihn zumindest in der Theorie und bei den Fall- und Wurfübungen als sanften Weg kennengelernt, bei dem der negativen Energie des Angreifers ausgewichen und in positive Energie umgewandelt wird. Soweit die Theorie. In der Praxis hatte ich mir bei einem Trainingskampf den Unterarm gebrochen. Selbiges hoffen wir nicht, in den nächsten Tagen zu erleben. Was soll das nun mit der Analogie? Schlicht und ergreifend wird dem COVID-19 ausgewichen und dennoch verreist. Die Slowakei hat bislang durch hohe Disziplin und der Einsicht der Menschen eine erstaunlich niedrige Fallzahl gehalten; die Tagesveränderungen halten sich landesweit auf dem Niveau der Stadt München.

Wir werden es sehen.

Sonntag 16.8.2020 Nitra Hotel Mikado

Zwei geprellte Frösche liegen nach einem fulminanten Abendessen im Café Castellum in Nitra auf ihren Betten.

Heute Morgen klingelt der Wecker ... NICHT... wie eingestellt. Es ist ja Wochenende. Na, das ist auch vollkommen richtig, Gegen 11:00 auf die Autobahn. Über die A94 nach Linz, Fahrerwechsel, ab zur Slowakischen Grenze. Die Gegenspur hat Stau, Österreich versucht über massive Kontrollen das Virus wieder in den Griff zu bekommen.

Ankunft im Hotel, erst einmal  ein schönes herbes slowakisches Bier, zu Fuß zur Burg hoch, ein Tisch im Café Castellum ist bestellt. Der Blick über Nitra zeigt den alten „Ostblock“ aber auch die Moderne. Wir sitzen in dem netten Restaurant im Freien, genießen ein feines Essen ganz im Duktus von gestern Abend, den wir mit Karin ud Christina in der Schwabinger Seerose erlebt haben. Der hiesige Riesling nicht aufdringlich, ganz im Gegenteil. Und jetzt ... siehe oben.

Ich bin bislang positiv überrascht. Die Mischung aus durchaus noch erkennbaren „Ostblockstrukturen“ und neuer moderner Infrastruktur bewohnt von Menschen, die meist entweder Deutsch oder Englisch sprechen und unglaublich freundlich sind. Es gefällt uns hier. Außerdem hat sich die Slowakei bisher in der Pandemie mehr als achtbar geschlagen. Am warmen Sonntagabend sind die Menschen aus Nitra auf der Straße, da außer uns, keine Touristen hier sind, können wir uns sicher fühlen. Eine gute Erfahrung, mitten bzw. am Rand von Europa während der Hauptreisezeit Ruhe zu finden.

Montag 17.8.2020 Nitra

Cooler Tag, Spaziergang durch Nitra, langer Hatsch zur Burg, Besuch der Kathedrale. Heut isses etwas schwieriger. Wir sind doch Kinder der Block-Generation" und bringen dies auch nach dreißig Jahren schwer weg.

Ein toller Abend mit Denisa, Jana und Aneta, begleitet von Karin und Zuzana. Anfahrt zum Restaurant Palenica Jelsovce bei Dauerregen in Denisas Skoda Supra 8 mit Schwierigkeiten, da Straßen gesperrt sind. Vorbei am Jaguar-Landrover Werk. Feines Essen, viel gelacht. Fünf echte Powerfrauen, die sich richtig gefreut haben, Ute zu sehen. Und ich mich auch. Wieder das Gefühl der Ungerechtigkeit, wenn Frauen mit hoher Kompetenz, Kraft und Lebensfreude nicht dort ankommen dürfen, wo sie eigentlich hingehören.



Dienstag 18.8.2020 Hotel Lomnica in Tatranská Lomnica

Heute Morgen geht es nach dem Frühstück Richtung Hohe Tatra. Laut Navi knapp 245 Kilometer drei Stunden, Denisa spricht von dreieinhalb Stunden, sie fährt ganz schön zackig. Es ist gut zu sehen, wie hier sinnvoll die EU Mittel für Infrastrukturen aufgewendet werden. Die Straßen sind hervorragend zu fahren - da haben unsere südlichere Nachbarn etwas Nachholbedarf. Nach einer Weile geht es in die Niedere Tatra durch ein Ski-Ressort. Ich denk mir, na das wird doch noch eine richtige Gurkerei wenn es mal richtig hoch rauf geht. Für uns beide sind die steilen und hohen Berge nichts mehr. Aber es kommt ganz anders. Nach dem Skigebiet geht es wieder bergab und wir kommen wieder auf die Autobahn, nagelneu, wenig befahren und absolut ruhig. Bei Poprad links ab in die Berge. Es sind nur noch 14 Kilometer. Ankunft im Hotel Lomnica nach weiteren 15 Minuten an. Alles ganz easy. Das Zimmer noch nicht fertig, wir nehmen im Salon einen Kaffee. Die erste Ortserkundung ergibt ganz wenige - ich habe zwei gezählt - deutsche Autos. Der Ort nicht überlaufen, sehr gepflegt, vor dem Hotel beginnt ein schöner Park. Als Aperitiv ein kleines Glas Bier - es hat ja auch nur 10% Alkohol.


Und das heutige Abendessen ist der Knaller:
- Waller in sensationellem Essigsud
- Wildgulasch mit „roten“  Spätzle
- Kaiserschmarrn
- dazu einen hervorragenden lokalen Blaufränkischen, 2018er Frankovka Modrá von RUBÁŇ.

Mittwoch 19.8.2020, Hotel Lomnica in Tatranská Lomnica

Heut schaut es eher mau aus. Das Wetter nicht so prickelnd, es regnet den ganzen Tag, die Berge  verhangen. Abendessen wieder im Franz-Joseph Restaurant- sensationell. Auch der slowakische Wein ist mehr als ordentlich. Da hat ein Land noch viel Potential.

Der FC Bayern hat sich mit einem 3:0 gegen Lyon ins Finale der Champions League gegen Paris Saint Germain gespielt. Schade, dass die Spiele COVID-19 bedingt vor leeren Häusern stattfinden.

Donnerstag, 20.8.2020, ebenda

Die Sonne scheint. Das Zimmer mit Blick direkt auf die Lomnica Spitze, großartig.

Frühstück wie gehabt sensationell, Kaffee dauert, Rest Spitze, dann ab zum Bergsee Štrbské Pleso.  Holla die Waldfee. Gut, wir sind nicht gerade die Ersten, aber was hier an Tourismus abgeht, scheut wesentlichen Vergleichen in den Alpen nicht. Trotz voller Parkplätzen wird ganz nach hinten gefahren. Ist doch jetzt schon alles voll. Ne, direkt bei der Ankunft machen sie noch ne Wiese auf und wir parken Premium. Ein schöner Rundweg um den See, dann wieder zurück.

Wir fahren zur Spišský hrad (Spiš Castle). Wieder gut besucht, aber ganz oben parken wir wieder ganz toll. Coole Burg, nach Prag die Größte in Mitteleuropa - sehr beeindruckend. Die Burg erinnert ganz stark an Arthus Burg Camelot aus den Ritterfilmen. Über den netten Ort Levoca zurück ins Hotel.


Freitag, 21.8.2020 immer noch da

Ein weiterer herrlicher Tag. Beim wieder köstlichen Frühstück entstehen die Ideen für den Tag. Apropos Frühstück. Es kostet eine ziemliche Mühe, den Service dazu zu nötigen, uns den Kaffee zu bringen. So luxuriös mit einer überragenden Küche, toll renovierten Zimmern mit ansonsten hervorragenden Service das Hotel Lomnica auch ist, der morgendliche Aufwand, Kaffee zu bekommen ... Der Prozess erinnert an das Gehabe im Hotel Holiday Inn Garden Court in Pretoria in den 90ern, als die Innenstadt für Weiße noch sicher war. Bis auf die Kaffeeprozedur ist das Hotel vom Feinsten. Was für ein großzügiges Geburtstags- und Abschiedsgeschenk von Utes Nitraer Kolleginnen. Schon die Homepage des Hotels läßt einen kleinen Vorgeschmack aufkommen. In der Realität ein echtes Luxushotel mit absolut Allem, was Mensch sich wünschen kann.

Der Beschluss heute ist ein Spaziergang zur Talstation der Seilbahn, um auf den Lomnicer Sattel zu fahren. Der Parkplatz an der Bahn gleicht den Plätzen in Österreich, Italien, Deutschland egal wo immer Seilbahnen gehen. Er ist krachend voll, an der Kasse eine kleine Schlange, viel zu viel. So geht es eben zu Fuß, was eh gesünder ist, auf dem Wanderweg, der gleichzeitig die Kartbahn darstellt, hinauf zur Mittelstation. Gemütliche 300 Höhenmeter und knapp vier Kilometer später ist die Mittelstation erreicht. Weiter Ausblick, einigermaßen wenig los. Die passende Wanderung unter herrlichen Bergen zum Abschluß.

Samstag 22.8.2020, Klosterneuburg

Abfahrt bei bestem Wetter gegen 9:00. Ein herrlicher Tag, volle Sicht bei blauem Himmel auf das Gebirgsmassiv der Hohen Tatra. Die fünf Stunden Fahrt ruhig und entspannt. Die letzten zwei Stunden vorbei an Bratislava, die Grenze zu Österreich im Gegensatz zu letzter Woche verwaist. Um Wien herum, zunächst Richtung Györ, dem großen Audistandort. Gar nicht so weit. Auch Budapest und Prag sind recht nah. Bei 33 Grad Einfahrt in Klosterneuburg. Die Unterkunft direkt am Niedermarkt, die Residenz Schrannenhof. Die Chefin, eine Mainzer Architektin begrüßt uns, Kontakt ist hergestellt, sie erzählt und erzählt und erzählt. Wir wohnen im „Neubautrakt“ von 1453. Ausreichendes Zimmer für eine Nacht. Abendessen bei Verena und Stephan. Ein sehr schöner Abend, schöne Gespräche, feines Essen, vergeht wie im Flug. Auch zwei Corona-Vorsichtige wie wir zwei. Draußen schüttet es, ein Taxi bringt uns nach Mitternacht zum Hotel.

Am Sonntag 23.8.2020 geht es wieder nach München.