furt samma
 

Tel Aviv 2019.

Einigermassen kompliziert, Israel einem Kontinent zu zuordnen. Geografisch Asien, politisch naher Osten, was kein Kontinent ist, sportlich Europa. Von der Eigensicht nicht so klar. Also erst mal Europa.

Flughafen MUC Montag 30.9.2019, 11:25

An Bord des A321 LH 688 von MUC nach Tel Aviv.

Check-in und Security am weit abgeschiedenen Terminal 1F hat uns auch von dem Menschenmassen weg gebracht. Von diesem Terminal gehen nur die zwei Maschinen nach Israel. München legt hier nach 1972 extrem Wert auf Sicherheit. War alles ziemlich harmlos und freundlich. In Tel Aviv erwarten wir die ganze Woche um die 30 Grad.

Tel Aviv Melody Hotel, Montag 30.9.2019, 22:45

Der erste schöne Abend. Einreise problemlos, Gepäck ratzfatz da, ab zum Taxi und 20 Minuten bei sportlicher Fahrweise ins Melody Hotel. Schickes kleines Boutique Hotel, in der zweiten Reihe, mit toller Dachterrasse, Blick in die Stadt und aufs Meer. Willkommens-Drink, Sonnenuntergang gewaltig und ab zur Restaurantempfehlung Yulia TLV. Rosh HaShana, die Menschen sind unterwegs und feiern. Knapp 10 Minuten zu gehen. Kein Grund, unsicher zu sein. Toller Fisch, eine Karaffe Wein, zwei Flaschen Tap-Water und abschließend noch ein Glas Tap-Wine auf der Hotelterrasse. Immer noch herrliche Temperaturen.






Tel Aviv Melody Hotel, Dienstag 1.10.2019, 15:00

Pause auf dem Zimmer nach 15.000 Schritten bei 30 Grad. Spannender Tag heute. Traumhaftes grünes Frühstück mit Salat, Fisch und Shakshuka. Zuerst am Strand entlang, rechts die diversen „Beaches“ mit vielen Sportlern, z.Tl. ziemlich gut trainiert und gebaut, links die Hotelbunker. Trotz tollem Mittelmeer-Klima und herrlichen Temperaturen wirkt es hier ein wenig trist. Der Funke springt noch nicht über. An der Hasan Bek Moschee stadteinwärts ins Neve Tzedek Viertel. Die Moschee macht einen traurigen Eindruck, umgeben von Großbaustellen und einem kargen Parkplatz. Wenig los, heute ist das Neujahrsfest Rosh HaShana, keine Büros, kein öffentlicher Nahverkehr, keine Läden auf. Dazu die etwas heruntergekommenen Gebäude, alles etwas verranzt. Dann geht die Sonne auf. Wir laufen durch das Galerieviertel im Neve Tzedek, uns fasziniert ein Bild der Malerin Raquel Timor. Hier ist Leben, hier ist Spannung. Im Nina Kaffee, essen Salat und Avocado Brot, beides ziemlich lecker. Die Menschen ausgelassen und fröhlich. Lassen uns treiben und gehen über den heute leeren und dennoch oder deswegen spannenden Ha‘Carmel Markt zurück zum Melody Hotel. Jetzt sind wir hier!

21:30 an selben Ort im Hotel

Schöner Abend; Essen im Yulia wie gestern, Calamari mit Hummus und Shrimp Tapas als Vorspeise, ziemlich cool. Zum Hauptgang eine Brasse mit Grillgemüse und nen Petersfisch für Ute. Ein Glas Rosé und ne Menge Wasser. Wir sitzen draußen am Meer und genießen. Die Menschen, jung und alt feiern Ihr Neujahr; ausgelassene Stimmung. Kein Anzeichen wie fragil die Situation ist. Früh zum Hotel zurück, noch ein Absacker auf der herrlichen Dachterrasse. Die letzte Nacht anstrengend - Fenster offen (heut ist die Klima dran) und dann das Neujahrsfest. Immerhin Ruhe von 1:30 - 6:00. Es beginnt, uns hier richtig zu gefallen.

Die Erkenntnis, die auch im Netz geschrieben steht: Es ist ungefähr doppelt so teuer, wie zuhause. Aber schön;-)

Die Immobilienpreise in Tel Aviv horrend. Ein € ca. 4 Shekel (NIS) - Oktober 2019.





Tel Aviv, Melody Hotel Mittwoch 2.10.2019, 8:30

Daran konnte ich mich an die Geschäftsreise von 1997 erinnern. Die Israelis zelebrieren ein Mega Frühstück. Salate unterschiedlichster Art, Fischvarianten, Gemüse etc. Ein wahres Freudenfest.

Tel Aviv, Melody Hotel Mittwoch 2.10.2019, 16:00 / 22:45

Knapp 16.000 Schritte weiter. Heute morgen, Punkt 9:00 holt uns Abraham ab, das tolle Geschenk von Bauers und  Güchs. Eine Halbtagesführung durch Tel Aviv (Alt und Neu). Lernen ne Menge über den Ha‘Carmel Markt, Theodor Herzl, David Ben Gurion, die Rothschilds, General Allenby, den Neuen Templern usw. usw.. Wir laufen durch die Rotschild Avenue, entlang an Bauhaushäusern zum ersten Bahnhof und weiter zum berühmten Glockenturm am Rande von Alt Jaffa. Wir sprechen zufällig mit einer älteren Frau aus Jordanien, deren Familie nach dem Freiheitskrieg 1967 nach Amman geflohen ist und die so gerne wieder nach Hause nach Jaffa möchte. Sie hat Tränen in den Augen, als sie über das Haus Ihres Vaters gesprochen hat. Das Haus ist wohl nach dem Krieg abgerissen worden. Die Frau steht hinter Gitterstäben im Innenhof der Moschee in Jaffa. Wir erleben die Aussagen vom Führer, dass die Regierung eine Rückkehr ausschließt. Wenn alle nach dem 6-Tagekrieg 1967 geflohenen Araber mit ihren Familien wieder zurück kämen, hätten sie mit etwa 8 Millionen Menschen die Mehrheit in Israel.

Hinter den Gittern wirkt sie ein wenig wie „captured in religion and politics“. Ich schick Ihr über Abraham ein Foto von sich, wenn sie entwickelt sind.

Wir laufen durch Alt Jaffa zum Hafen. Die Altstadt renoviert, viele Galerien und Geschäfte, gemischte Gesellschaft Israelis, Araber, Touristen. An der Sprache erkennen wir, dass 20% (Aussage Danny)  der Israelis in dem letzten Jahren aus Russland immigriert sind. Nach vier spannenden Stunden sind wir wieder alleine, nehmen ein Taxi zum alten Hafen von Tel Aviv und bestellen uns in einem Fischlokal The White Pergola a bisserl was zum Essen. Fünf (nicht bestellte, aber im „Gedeck enthaltene“ Vorspeisen zu Pittabrot, Lachs Carpacchio, Fisch Ceviche und einer winzigen Portion einer Seafoodplatter (wir haben nur etwa zwei Drittel geschafft). Große Klasse ist das Getränk - homemade Lemonade.










Am Strand wieder ausgelassene Stimmung - sehr friedliche und entspannte Situation. Yoga auf dem Surfbrett, sportliche gebaute Menschen zeigen ihren Body, Chaos durch E-Scooter und E-Bikes auf dem Radweg, Verkehrsregeln nicht existent und doch passen alle aufeinander auf.

Am Abend lange alleine auf einer breiten Lounge-Liege auf der Dachterrasse mit ein, zwei Gläsern Wein und genießen das Licht, die laue Meerluft und die Lebensgeräusche von Tel Aviv. Ziemlich lebensbejahende Situation hier.

Tel Aviv, Melody Hotel Donnerstag 3.10.2019, 17:40 - kurz vor sunset und 10.000 „Radlschritte“ weiter und 19:00

Ist ein herrlicher Tag. Frühstück genial wie jeden Tag - Salat und rote Beete, heute auch Müsli und Obstsalat. Um 9:00 auf etwas klapprige Räder und runter auf den Bike Highway am Strand. Zweispurige Fahrradspur, die auch von rasenden E-Scooter und E-Bike Fahrern benutzt wird. Außerdem wieder die Body-Shaper m/w beeindruckend. Überall am Strand die Gym-Geräte, eifrig genutzt. Gemütlich mit vielen Kuck- und Staunpausen zum Etzelhaus, weiter bis zum Clocktower, um die Ecke zum Flohmarkt. Der ist zu der Zeit noch ziemlich zu - macht nix, so können wir die bunten Tore bewundern und durch die leeren Gassen schlendern. Kurzer Radlweg zum alten Bahnhof. Dort laufen gefühlte Hundertschaften südamerikanischer Touristen aus allen Ländern ihres Subkontinents.

Wir lassen den alten Bahnhof wirken, schöne Designer Shops. Weiter gehts wieder ins Neve Tzedek, der Funke ist längstens übergesprungen. An den Resten des ersten Kiosk von 1907 oder so hat sich ein Kaffee eingenistet. Wir essen a bisserl was - wieder schlichtweg beeindruckend. Und wieder die positiven Menschen. Heut ist es gut warm, wir radeln mitten durch die Stadt, egal, ob auf den großen Verkehrsstrassen oder Radlwegen Richtung Carmel Markt. Ganz schön voll - ein Shuk - herrlich. Mit all seinen Obst und Gemüse und Baklava und Gewürz Angeboten wohl der spannendste Markt, den wir kennen. Dann zurück zum Melody Hotel und ein paar traumhafte Stunden ganz alleine auf der Dachterrasse - irre Licht, tolle Atmosphäre.

Etwas snacken, ein Glas Wein beim wieder sagenhaften Sonnenuntergang und demnächst laufen wir los Richtung Hafen, um mit Danny und seiner Frau im Kitchen-Market zu Abend zu essen.

Wir sind beide total von der Stadt begeistert.

Tel Aviv, Melody Hotel Freitag 4.10.2019, 00:10

Beeindruckender Abend mit Nili und Danny. Das Überraschungsmenü ist ne Überraschung - muss die Bilder ankucken, um die Gerichte wieder zu identifizieren. An den Nachtisch erinnere ich mich gut: Ein Kuchen mit Pulver aus schwarzen Oliven.

Wir können auch zu viert nur eine Flasche Rotwein trinken. Gruß aus der Küche (Tomaten Gazpacho), sechs unterschiedliche Vorspeisen (Thunfisch Sushi und was weiß ich noch) in zwei Runden (siehe Bilder) und drei Hauptspeisen mit gewürztem Goldbrassenfilet, Entenbrust und rosa gebratenem Rehfilet. Als Wein hab ich ne Flasche Roten ausgesucht: 2T, Yarden, Golan Heights. Basiert auf portugiesischen Reben.











Die Gespräche von interkulturellem Verständnis, Israels Politik, Gesellschaft und Leben, warum die Familien so viele Kinder haben, Verhältnis zu den USA, natürlich Brexit, Suniten bishin zum normalen Familienalltag, wir vier hatten sofort einen guten Draht zueinander. Zum Abschluss noch ein Gläschen Rose auf der Terrasse - Gute Nacht.

Tel Aviv, Melody Hotel Freitag 5.10.2019, 7:45

Es waren dann doch auch wieder 13.000 Schritte gestern. Der Abend noch nicht richtig verdaut.

Noch ein paar Takte zu gestern. Das Restaurant Kitchen-Market liegt über nem Shuk am Hafen. Dementsprechend ist das Ambiente. Etwas stylisch abgeranzt, offene Küche, viele junge Leute. Das „Personal“ (blödes serviles Wort) richtig kompetent, die Küche sternewürdig. Wir hatten den Tisch erst zur zweiten Schicht um 20:30 bekommen. Das Restaurant knallvoll, tolle Stimmung. Unsere Gespräche sehr offen - so hatte ich Danny immer erlebt, Begrüßung und Abschied mit warmer Umarmung.

Dannys Mutter stammt aus Dorfen, die Familie von Nili aus Wiesbaden.

Tel Aviv, Melody Hotel Freitag 5.10.2019, 14:45

Jetzt sind wir rechtschaffen platt. Um 9:00 nach dem Frühstück- respektive, was die schwäbische Gruppe übrig gelassen hat, schwingen wir uns aufs Rad und fahren die Dizengoffstrasse zum Dizengoff Square, wo sich ein Schwerpunkt der Bauhaus Architektur befindet. Heut am Shabbat ist es in der Stadt nicht ganz so voll, außerdem zu der Uhrzeit sind die feierfreudigen Tel Aviver noch nicht wach. Etwas unausgeschlafen mental etwas Anlaufschwierigkeiten. Die heruntergekommenen Häuser und der chaotische Verkehr fallen wieder mehr auf, als die letzten Tage. Wir durchqueren auf den großen Straßen die Stadt über den Helena Rubinstein Pavillon zum Habima Square. Na ja, ziemlich viel bröckelnder Beton. Mitten in Sarona, was wir uns nach der Beschreibung wirklich anders vorgestellt haben, sagen wir uns: Stadt, es langt. Wir radeln den gesamten Rothschild Boulevard entlang, wo sich die Tel Aviver wie im Park auf Grünflächen und an den Strassenkaffees versammeln und Shabbat begehen. Ganz am Ende des Boulevards zum Neve Tzedek machen wir im Schatten Pause. Dann noch einmal durch das schöne Viertel zum alten Bahnhof und ans Meer. Dort lassen wir uns im Kaffee am Banana Strand in einen Stuhl im Sand fallen und beschließen, jetzt ist’s gut. Zwei herrliche Stunden mit Salat und Melone und Wasser, Kaffee und Tiefenentspannung am Strand. Dann zurück über den alten Hafen von Tel Aviv ins Melody Hotel. Jetzt soll Ute sich erst mal ein paar Stunden auspennen. Für morgen hab ich Late Check-out geordert sowie ein Taxi um 1:30 zum Flughafen.

Tel Aviv, Melody Hotel Samstag 6.10.2019, 8:00

Gut geschlafen, Utes Husten ist viel besser geworden.

Die gestrige lange Siesta hat sie kuriert und die Pause war gut! Der Nachmittag spannend, anders. Eike und Thilo haben begonnen, den Bauer-Abschied zu organisieren. So hab ich von einer Reise (Urlaub kann ich ja nicht mehr sagen) für vier Wochen nach unserer großen Reise ein Zimmer in Poreč gebucht. Den Rest des Tages auf der irren Dachterrasse verbracht, später etwas vom Nachmittags-Büfett gegessen (hervorragende Gemüsesuppe), ein paar Glas Abschiedswein genossen, den Sonnenuntergang über dem Meer und der verrückten Skyline Tel Aviv’s in uns aufgesogen und plappernd und plaudernd auf einem der großen Sonnenbetten verbracht.

Jetzt kommt das letzte Frühstück und dann ... packen.










Im Flugzeug Samstag 6.10.2019, 18:00

Eben fliegen wir über Tel Aviv und dürfen die Stadt aus der Luft verabschieden. Den Tag auf der Dachterrasse verbracht, ein kleiner Abschiedsspaziergang zum Strand macht es uns nicht leicht, zu gehen. Herzlicher Abschied vom Rezeptionisten, mit dem Taxi zeitig zum Flughafen, es kann ja lange Befragungen geben. Nix, nur kurz das Übliche, Gepäck abgeben und dann der Aufenthalt am Flughafen Ben Gurion. Wir halten uns ja gerne an Flughäfen auf, viel zu sehen und zu hören.

Der Abschied von der Stadt fällt schwer, der Groove und der Fluß der Stadt erreichen Dich einfach. Eine Wiederkehr ist definitiv nicht ausgeschlossen.